Blumige Werbebegriffe

Dr. Wolfgang Feist vom Passivhaus-Institut warnt vor Lockvogelangeboten der Hersteller.

Interview mit Dr. Wolfgang Feist vom Passivhaus-Institut aus dem Stiftung Warentest Sonderheft ENERGIE.

Warum werden nicht mehr Passivhäuser gebaut?



Das Kernproblem ist das vielfach fehlende Know-how. Das zeigt die hohe Nachfrage: Auf die Planung von Passivhäusern spezialisierte Architekten haben alle Hände voll zu tun. Der Preis spielt nur eine untergeordnete Rolle. Wenn ein Architekt kostengünstig plant, muss ein Passivhaus nicht teurer sein als ein herkömmliches Haus.

Ist das Fertighaus da im Vorteil?



 Leider beschäftigt sich auch die Mehrzahl von Fertighausherstellern nicht konstruktiv mit dem Thema. So hatten wir in der Vergangenheit teilweise katastrophale Erfahrungen bei der Luftdichtigkeitsprüfung. Aber statt hier die eigene Qualität zu verbessern, kaufen viele Anbieter Accessoires zu oder bieten lieber mit blumigen Werbebegriffen bezeichnete Öko-Ultra-Super-Plus-Gebäude an. Aber die sind teuer und eigentlich nur Lockangebote der Hersteller. In Realität verkaufen sie ihre Standarthäuser.

Welche Haustechnik passt am besten zum Passivhaus?



 Ein Muss ist die Lüftungsanlage – das gilt übrigens für alle neugebauten Häuser. Da die Lüftungsanlage also sowieso da ist, kann sie auch für die Erwärmung der Luft genutzt werden. Ein wirklich kostengünstiges Heizsystem für den geringen Wärmebedarf gibt es aber noch nicht. Hier ist die Heizungsbranche gefordert, entsprechende Entwicklungen auf den Markt zu bringen. Die Ölheizung mit ein oder zwei Kilowatt ist technisch möglich – schließlich gibt es sie bereits als Standheizung für Lastwagen.

Was empfehlen Sie derzeit als sinnvollsten Weg?



 Die beste Lösung beim derzeitigen Stand der Technik ist ein Kompaktgerät – also eine Kleinstwärmepumpe in Kombination mit der Lüftungsanlage. Der verbleibende Bedarf kann mit einer thermischen Solaranlage deutlich gesenkt werden.

Wie geht die Entwicklung voraussichtlich weiter?



Die Potenziale zur weiteren Verbesserung der Energieeffizienz der einzelnen Komponenten haben wir gerade erst angekratzt – hier gibt es noch viel zu tun.

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Quelle: Stiftung Warentest Spezial Energie Mai 2008




Katja Krohn













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