Richtig Bauen? Haus B!

Was ist dem heutigen Hausbauer wichtig wenn er einen Architekten für sein Projekt beauftragt? Für mich, ist neben dem fachlichen Know-how, der verantwortungsbewusste Umgang mit unseren Ressourcen und die Leidenschaft ein wesentliches Kriterium. Der Planungsansatz sollte technisch zukunftsorientiert, ästhetisch und doch kompromisslos ökologisch verantwortlich sein. Dass dieses zu vereinbaren geht, zeigt das Haus B!  von Architekt Matthias Bjørnsen aus München.

Matthias Bjørnsen ist mir besonders positiv durch seine ökologische Sichtweise aufgefallen. Seine gelebte Philosophie des zukunftsfähigen Wohnens und seine Überzeugung ökologisch verantwortlich und möglichst energieneutral, in Verbindung mit sehr modernen und klaren Raumaufteilungen zu bauen, führt zu ästhetisch anspruchsvollen Raum-/ Hauskonzepten auf qualitativ höchstem Niveau.

Ein Interview mit Matthias Bjørnsen Architekt in München.

Herr Bjørnsen, wodurch zeichnet sich für Sie eine ökologische Bauweise aus?

Ökologisch bauen heißt, den ganzen Lebenszyklus aller Materialien und Ihrer Verarbeitung, von der Produktion bis zum Recycling zu betrachten und in ein ausgewogenes Verhältnis zum Aufwand und den Kosten während des Bauens und der Nutzungsdauer des Gebäudes zu setzen. Energie wird nicht nur während der Nutzung eines Hauses gebraucht, sondern auch vorher und nachher.

Was ist „Haus B!“?

„Haus B!“ ist das Wohnhaus meiner Familie. Ich möchte mit diesem Haus zeigen, was ich unter „Richtig Bauen“ verstehe. Das Augenmerk liegt auf niedrigem Energieverbrauch und Recyclingfähigkeit der Baustoffe, Stichwort „Holzhaus“, einem möglichst kompakten Bauvolumen bei optimaler Raumausnutzung und Großzügigkeit, Stichwort „Vertikales Loft“ und der effizienten Nutzung so genannter passiver Sonnenenergie, Stichwort „Glasfassade“. Nicht zuletzt war für uns das Bauen in der Gemeinschaft, zusammen mit acht anderen Familien wichtig, um kosteneffizienter bauen zu können. So haben wir gemeinsam eine Gebäudestruktur mit Energiekonzept entwickelt, welche den Rahmen für unseren individuellen Innenausbau gebildet hat.

Beziehen Sie bei Ihren Planungen besondere Technologien ein um Energie zu sparen und einen schonenden Umgang mit Ressourcen zu gewährleisten?

Im Wohnungsbau ist der Energieverbrauch während der Nutzungsdauer sehr stark von individuellen Gewohnheiten abhängig, anders als z. B. im gewerblichen Bauen. Daher glaube ich, dass im individuellen Wohnhausbau, wenn man die wesentlichen Planungsgrundsätze energetischen Bauens beachtet, aufwändige Simulationsmodelle nicht notwendig sind. Wenn jedoch ein energetisch optimales Haus gewünscht wird, sind gesamtheitliche Simulationsmodelle unerlässlich. Hierfür gibt es „Klimaengineering“ Planer, mit denen der Architekt ähnlich wie z. B. mit dem Tragwerksplaner Systeme entwickelt und die Ergebnisse in seine Gesamtplanung integriert.

Denken Sie Nullenergiehäuser oder Energie Plushäuser sollten/ könnten in Zukunft Standardbauweise werden?

In naher Zukunft sicher nicht. Es ist wesentlich zu beachten,  dass das Wohnhaus unseren privatesten Rückzugsraum darstellt, welcher maßgeblich von unseren Gewohnheiten geprägt wird. Ein Nullenergie- oder Plus-Energie-Haus erfordert heute noch gewisse Zugeständnisse an die persönlichen Nutzungsgewohnheiten. Außerdem ist das Preis-/ Leistungsverhältnis in Bezug auf heutige Energiekosten noch nicht gut genug. Niedrigenergiehäuser, und damit meine ich 75% Energieeinsparung gegenüber dem heutigen Gesamtgebäudebestand, müssten jedoch schon längst Standard sein. Diese Häuser sind ohne Komforteinbußen zu erschwinglichen Kosten zu erstellen, selbst bei Renovierung im Bestand.

Haben Sie bestimmte Visionen oder wünschen Sie sich bestimmte Technologien in der Zukunft, welche Sie in Ihre Hausplanungen einbeziehen.würden?

Wenn ich drei Wünsche zur Technologie des Bauen frei hätte, so wären das: „Atmende“ Häuser, die den Bedarf an Frischluft ohne Wärmeverlust über alle Außenwände gleichmäßig und selbständig regulieren; ein einziges Netz für Daten und Strom, so dass jede Anschlussdose alle Medien bereit hält; Glasscheiben, die je nach Stimmungslage der Bewohner ohne Energieaufwand Ihre Transparenz von glasklar bis völlig opak verändern können. Überhaupt wünsche ich mir noch mehr Visionäre unter den Bauherren und eine Aufbruchstimmung, ähnlich wie zu Beginn der 60‘ger Jahre, jedoch mit heutigem Wissen und aktueller Technologie.

Herr Bjørnsen, vielen Dank für dieses Gespräch!

Katja Krohn

© Fotos: Florian Holzherr, München

Matthias Bjørnsen Homepage: http://matthiasbjoernsen.net/

Nullenergiehaus: Bezieht im Jahresmittel keine Energie von außen. Der Bedarf für Heizung, Strom und Warmwasser wird am und im Haus erzeugt ( durch Fotovoltaik,Sonnenkollektoren und Erdwärme).

Energie-Plushäuser: Produziert im Jahresmittel mehr Energie als es verbraucht (diese wird in das Netz der Stromversorgung eingespeist).

Niedrigenergiehaus: Verbraucht pro Jahr und Quadratmeter höchstens 70 Kilowattstunden Heizwärme.

Passivhaus: Deckt seinen Wärmebedarf hauptsächlich aus Sonnenstrahlung, sowie der Wärme von Menschen und technischen Geräten. Es wird kontrolliert belüftet, um Wärmeverluste zu vermeiden (Fenster können aber müssen nicht geöffnet werden). Es verbraucht im Jahr weniger als 15 Kilowattstunden Heizwärme. Dr. Wolfgang Feist hat 1991 das erste Passivhaus gebaut ( www.passiv.de ).Siehe auch Interview mit Dr. Feist Passivhaus für alle Klimazonen !

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